SCHIENE regional - Bahnthemen Südwest

Streckenportraits - Zweigstrecken der ehemalige KBS 301

(jetzt KBS 702 Rheintalbahn)

Rastatt - Wintersdorf (- Frankreich)  (ex KBS 301i)
Baden-Oos - Baden-Baden   (ex KBS 301c)
Lahr-Dinglingen - Lahr Stadt   (ex Kursbuchstrecke 301l)
weitere Strecken-Kurzportaits:
Basel Bad Bf - Schopfheim - Zell im Wiesental  (KBS 735)
Immendingen - Weil (Rhein)   "Strategische Umgehungsbahn"

Stand: 09.2007


Rastatt - Wintersdorf (- Frankreich)        (ex KBS 301i)

Aus den Kursbüchern der DB ist sie schon seit Jahrzehnten verschwunden, selbst eine kurze, aber bedeutende Renaissance liegt schon Jahrzehnte Jahre zurück: Während des Neubaus der Eisenbahnbrücke zwischen Kehl und Strasbourg (KBS 719) in den Jahren 1967/68 wurde der Ost-West-Fernverkehr Wien - München - Paris, mit berühmten Zügen, wie dem "Orient-Express" und "Mozart", auf die Wintersdorfer Strecke umgeleitet. Heute ist es kaum noch vorstellbar, dass einst internationale Fernzüge auf der kombinierten Wintersdorfer Straßen/-Schienenbrücke über den Rhein nach Frankreich fuhren.

Streckenmeldungen 1998: Während auf den ersten Streckenkilometern im Bereich der Stadt Rastatt noch Industrieanschlüsse und ein französisches Militärdepot für geringes Güteraufkommen sorgten, standen auf dem grenznahen Streckenteil über Jahre lange Züge mit ausgemusterten Güterwagen. Die in jüngster Zeit auf die Strecke gebrachten Ganzzüge mit Fahrzeugteilen zwischen den Mercedes-Benz-Werken Sindelfingen und Rastatt, sowie die Autotransportzüge, mit denen die fabrikneuen Autos der Mercedes-A-Klasse abtransportiert werden, konnten die Aufmerksamkeit der Lokalpolitiker wieder auf die Strecke lenken. Die erhöhte Nachfrage im Güterverkehr ändert aber nichts am Bestreben der DB, sich fälliger Unterhaltungsmaßnahmen durch Stillegung der Strecke entziehen zu wollen. Die Rastatter Verkehrsgesellschaft VERA und die Albtal-Verkehrsgesellschaft AVG bekunden beiden Interesse, wobei die Strecke auf Teilbereichen gut in die Ausbaukonzepte der Karlsruher Stadtbahn passen würde. Die Führung der Stadtbahn ab Bahnhof Rastatt durch die Innenstadt ist derzeit vom Tisch, wobei sich die Wintersdorfer Strecke für eine innenstadtnahe Trassierung als kostengünstig Alternative anböte. In den Köpfen der Planer sind allerdings nicht die ehemals idyllischen Fischerorte am Rhein, die mit ihren Neubaugebieten einen erheblichen Pendleranteil nach Rastatt und Karlsruhe erschließen könnten, Zielorte der neuen S-Bahn-Linie, sondern der aufstrebende Regionalflughafen Baden-Airpark bei Söllingen.


Baden-Oos - Baden-Baden      (ex KBS 301c)

Die beiden Städte Baden-Baden und Lahr liegen beide in bevorzugten Randlangen der Vorbergzone des Schwarzwalds. Mitte des 19. Jahrhunderts spielte jede ihre besondere Rolle im Großherzogtum Baden: Baden-Baden, wie schon zu Zeiten der alten Römer, als Bade- und mondäne Kurstadt, Lahr als eine der wichtigsten Industriestädte im Land. Mit dem Bau der Badischen Hauptbahn im Oberrheintal gereichte die bevorzugte Lage zum Nachteil, denn ausgerechnet an diesen wichtigen Orten fuhr der Zug vorbei. Zwar wurden Bahnstationen eingerichtet, Baden-Oos in etwa 5 km Entfernung zum Zentrum Baden-Badens, und Lahr-Dinglingen, nur knapp 4 km von Lahrs Stadtmitte entfernt, aber damit gaben sich beide Städte nicht zufrieden.

Die Rheintalbahn wurde zwischen Karlsruhe und Offenburg 1844 fertig gestellt. Bereits wenige Monate später, am 25.07.1845, konnte die Verbindungsbahn von Baden-Baden nach Baden-Oos eingeweiht werden. Der berühmte Kuppelbau, mit dem 1895 das hölzerne Empfangsgebäude von Baden-Baden ersetzt wurde, hat allerdings die als Hauptbahn eingestufte Strecke in unterschiedlichen Funktionen, als Casino und als Teil des Festspielhauses, lang überlebt. Die Stilllegung der Stichstrecke erfolgte am 25.09.1977, womit die Umbenennung des "Vorortbahnhofs" Baden-Oos in Baden-Baden einherging. Die Planungen für den Umbau des "neuen" Bahnhofs Baden-Baden im Ortsteil Oos anlässlich des viergleisigen Ausbaus der Rheintalbahn (1987 bis 2004 zwischen Rastatt-Süd und Offenburg) beinhalteten übrigens eine mögliche Reaktivierung der Stichstrecke in die Stadtmitte. Die ideale Chance zur Lösung gravierender Verkehrsprobleme in der Kurstadt wurde nicht genutzt - und das zu einer Zeit, als sich die Karlsruher Zweisystem-Stadtbahnen gerade das Umland eroberten.

Streckenmeldungen: keine


Lahr-Dinglingen - Lahr Stadt      (ex Kursbuchstrecke 301l)

Die beiden Städte Baden-Baden und Lahr liegen beide in bevorzugten Randlangen der Vorbergzone des Schwarzwalds. Mitte des 19. Jahrhunderts spielte jede ihre besondere Rolle im Großherzogtum Baden: Baden-Baden, wie schon zu Zeiten der alten Römer, als Bade- und mondäne Kurstadt, Lahr als eine der wichtigsten Industriestädte im Land. Mit dem Bau der Badischen Hauptbahn im Oberrheintal gereichte die bevorzugte Lage zum Nachteil, denn ausgerechnet an diesen wichtigen Orten fuhr der Zug vorbei. Zwar wurden Bahnstationen eingerichtet, Baden-Oos in etwa 5 km Entfernung zum Zentrum Baden-Badens, und Lahr-Dinglingen, nur knapp 4 km von Lahrs Stadtmitte entfernt, aber damit gaben sich beide Städte nicht zufrieden.

In Lahr dauerte es 20 Jahre länger als in Baden-Baden, bis schließlich die durch Privatinitiative 1864 gegründete Lahrer Eisenbahngesellschaft LEG eine Genehmigung zum Bau der Strecke Lahr-Dinglingen - Lahr-Stadt erhielt. Die Strecke konnte am 15. November 1865 in Betrieb gehen, wobei zwei Lok (neu beschaffte Zweikuppler der Gattung XIII) und die Personen- und Güterwagen von der Badischen Staatsbahn angemietet wurden. Nicht realisiert wurde der verwegene Plan einer Weiterführung der Strecke über den Schönberg nach Biberach/Baden, wo seit 1866 Züge auf der nördlicher Zulaufstrecke der Schwarzwaldbahn fuhren. Die direkte Verbindung zwischen Lahr und dem mittleren Kinzigtal fehlt auch heute noch, mit Ausnahme des saisonalen sonntäglichen vis-a-vis-Bus, im ÖPNV-Angebot.

MEG Lok 46 Urteilsplatz Lahr Blick aus dem Führer- stand der 111 Jahre alten Lok MEG 46 auf der imaginären Fahrt durch die Lahrer Innenstadt.
 
An den ovalen Führer- standsfenstern werdet ihr sie erkennen: die SSB-Loks der zweiten Lieferserie von 1898 (Betriebsnummern 45 bis 49) hatten sie. Die El- sässischen Maschinen- baugesellschaft Grafen- staden lieferte die auf dem Urteilsplatz in Lahr ausgestellte Lok 46 für die am 1. Juni 1898 eröffnete Südstrecke der Straßburger Straßen- bahn von Kehl nach Ot- tenheim und Offenburg.
 

Der wirtschaftlich Erfolg der LEG erhielt 1894 einen deutlichen Dämpfer, als die Lahrer Straßenbahn-Gesellschaft LSG eine Schmalspurstrecke (1000 mm) von Ottenheim am Rhein über Dinglingen und Lahr nach Seelbach eröffnete. Hierbei ergab sich nicht nur im Personenverkehr, den die Schmalspurbahn durch viel mehr Haltepunkte und die unmittelbare Durchfahrung der Innenstadt zielgenauer bedienen konnte, sondern auch im Güterverkehr einen Konkurrenzsituation. Eine Vielzahl von Gleisanschlüssen entstanden entlang der "Straßenbahn". Die Rollwagenverladung beim Staatsbahnhof (Lahr ME) ermöglichte die Bedienung der Kunden mit Regelspurwagen. 1906 erfolgte die Verstaatlichung der LEG-Strecke nach Lahr-Stadt. Ab 1917 übernahm die LSG den Namen der LEG. Diese neue LEG wurde 1923 durch Zusammenlegung mit dem ausgedehnten rechtsrheinischen Netz der Straßburger Straßenbahn SSB zur Mittelbadischen Eisenbahn AG. Diese wiederum, 1953 erweitert durch die Süddeutsche Eisenbahngesellschaft (Bregtal, Kaiserstuhl, oberes Wiesental), verschmolz 1971 mit der Ettlinger SWEG zur Südwestdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft Lahr (heute Südwestdeutsche Verkehrs-Aktiengesellschaft). Der Schmalspurbetrieb zwischen Lahr ME bis Seelbach endete am 31. März 1952, auf dem Abschnitt Lahr ME - Ottenheim (Rhein) erst am 1. Oktober 1959.

Zwischen Lahr-Dinglingen und Lahr-Stadt wurde der Personenverkehr, zuletzt waren Schienenbusse im Einsatz, am 13.07.1960 eingestellt. Der Bahnhof an der Rheintalbahn wurde in Lahr (Schwarzwald) umbenannt.

Streckenmeldungen 2007: Allerdings konnte der Güterverkehr mit Anschlüssen ins Gewerbegebiet West aufrecht erhalten werden. Das Aufkommen verringerte sich im Laufe der Jahre erheblich. Bei durchschnittlich 12 Wagen pro Jahr seit 2002 ist es wenig verwunderlich, dass DB Railion Ende 2006 eine Kündigung an die Stadt Lahr als Betreiber der Gleisanlage schrieb. Die Stadtverwaltung stand vor der Entscheidung über zwei Optionen: 1. Stilllegung der Strecke, wobei knapp 30.000 EUR für den Ausbau der Anschlussweiche zur DB zu bezahlen wären (gem. Vertrag mit der Bundesbahn 1965), oder 2. jährliche Mietkosten in Höhe von 2.577 EUR und einmalig eine Weichenerneuerung mit 45.000 EUR aufzubringen. Die Verwaltung schlug dem Gemeinderat die Option 2 vor (Applaus!). Dieser stimmte zu und seit dem 1. Juli 2007 können, nach dreimonatiger Zwangspause, wieder Güterwagen über die Gleise rollen. Sieben mit 360 t Stahl aus Italien beladene Wagen, die bis in die Halle der Firma Schwarzwald-Eisen geschoben wurden, eröffneten wenige Tage darauf den Güterverkehr auf der wiederbelebten Anschlussstrecke.


 

Rastatt - Wintersdorf (- Frankreich)  (ex KBS 301i)
Baden-Oos - Baden-Baden   (ex KBS 301c)
Lahr-Dinglingen - Lahr Stadt   (ex Kursbuchstrecke 301l)
weitere Strecken-Kurzportaits:
Basel Bad Bf - Schopfheim - Zell im Wiesental  (KBS 735)
Immendingen - Weil (Rhein)   "Strategische Umgehungsbahn"